Foto: Petra Arnold

Gastgeber

Simonas (Wein) Welt

Winzermeisterin und Weinprinzessin für den Kraichgau. Und ich wurde eingeladen, in UBI BENE über meine Welt des Weins zu schreiben. Wo fange ich an?

Menschen, die auf Facebook mit mir verbunden sind, haben vermutlich gesehen, dass ich im Februar bei der Berlinale war. Und das kam so: Zusammen mit meinem guten Freund Christoph Hammel, Winzer in Kirchheim, habe ich 2017 eine Cuvée kreiert. Wir haben die drei Rebsorten Grüner Veltliner, Scheurebe und Sauvignon blanc zusammengerührt, daher heißt der Wein „Lirum Larum“, so wie der Kinderreim, bei dem es ja auch ums Rühren geht. Er kam sehr gut an, daher hat Christoph ihn einfach mal zu einem Wettbewerb eingereicht, bei dem die Berlinale-Weine ausgesucht wurden. Und siehe da: Auch den Juroren hat er so gut geschmeckt, dass wir ihn ausschenken durften. Wir waren natürlich dort und haben den Festival-Chef Dieter Kosslick kennengelernt, der bei der Berlinale ausschließlich deutsche Weine servieren lässt. Was ich natürlich gut finde, denn wir haben in Deutschland tolle Qualitäten. Nichts spricht dagegen, auch mal einen Wein aus Übersee zu probieren, aber dass tatsächlich die Hälfte des Weins, der in Deutschland getrunken wird, aus dem Ausland kommt, muss nicht sein.

Aus dem Kraichgau nach Berlin

Menschen, die auf Facebook mit mir verbunden sind, haben vermutlich gesehen, dass ich im Februar bei der Berlinale war. Und das kam so: Zusammen mit meinem guten Freund Christoph Hammel, Winzer in Kirchheim, habe ich 2017 eine Cuvée kreiert. Wir haben die drei Rebsorten Grüner Veltliner, Scheurebe und Sauvignon blanc zusammengerührt, daher heißt der Wein „Lirum Larum“, so wie der Kinderreim, bei dem es ja auch ums Rühren geht. Er kam sehr gut an, daher hat Christoph ihn einfach mal zu einem Wettbewerb eingereicht, bei dem die Berlinale-Weine ausgesucht wurden. Und siehe da: Auch den Juroren hat er so gut geschmeckt, dass wir ihn ausschenken durften. Wir waren natürlich dort und haben den Festival-Chef Dieter Kosslick kennengelernt, der bei der Berlinale ausschließlich deutsche Weine servieren lässt. Was ich natürlich gut finde, denn wir haben in Deutschland tolle Qualitäten. Nichts spricht dagegen, auch mal einen Wein aus Übersee zu probieren, aber dass tatsächlich die Hälfte des Weins, der in Deutschland getrunken wird, aus dem Ausland kommt, muss nicht sein.

Stolz und dankbar

Es gab Kollegen, die mir unterstellt haben, ich würde das aus Marketinggründen tun. Denen kann ich nur sagen: Eine Geschlechtsangleichung macht niemand aus Marketinggründen, denn sie ist alles andere als ein Spaziergang. Das fängt bei der Bürokratie an und hört bei den Kämpfen mit der Krankenkasse noch längst nicht auf. Ich musste eine Psychotherapie über mich ergehen lassen und mehrere Operationen. Ich habe Hormone geschluckt, die mir – und meinem Umfeld – eine zweite Pubertät beschert haben. Und ich arbeite weiter an mir, zum Beispiel mit meiner Stimmtrainerin Pia Aulbach aus Mannheim, damit meine Stimme ein wenig höher wird. Denn die erste Pubertät hat meinen Kehlkopf und die Stimmbänder langgezogen. Das geht nicht mehr weg.

Die große Operation habe ich im vergangenen April machen lassen, da ist im Weinkeller nicht ganz so viel zu tun und ich hatte Zeit, wieder fit zu werden, bevor Anfang September die Lese begann. Ich bin froh, dass alles überstanden ist. Denn es gibt auch jetzt viel zu tun: im Weingut Clauer in Heidelberg, wo ich drei Tage die Woche arbeite, und daheim in meiner eigenen Manufaktur am Heiligenstein in Mühlhausen. Die ersten Weine werden füllfertig gemacht. Zuerst sind die Gutsweine dran, dann die Alten Reben, zuletzt kommen die Premiumweine in die Flaschen. Und natürlich bin ich auch draußen im Weinberg, wo jetzt die spannende Phase losgeht, wenn aus tot aussehenden braunen Zweigen plötzlich eine buschige grüne Laubwand entsteht.

Im April steht auch meine „Abkrönung“ an, also das Ende meiner Amtszeit als Weinprinzessin Simona Aurelia I. vom Kraichgau. Dass ich vor einem Jahr gewählt wurde, hat mich selbst überrascht. Ich bringe zwar alle Voraussetzungen mit, bin weiblich, unter 30 und weiß als Winzermeisterin natürlich auch jede Menge über Wein, aber die Weinbaubranche ist konservativ. Ich wusste nicht, ob die Zeit reif ist für eine Transgender-Prinzessin. Aber schön, dass es so ist! Dass ich das Amt übernehmen durfte, macht mich sehr stolz und dankbar, denn ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und unglaublich viel erlebt. Zwischen den drei badischen Weinhoheiten und den Weinprinzessinnen aus den sieben badischen Anbaubezirken gibt es einen sehr freundschaftlichen Austausch. Wir haben einander eingeladen und uns natürlich auch durch die Spezialitäten probiert. Noch so eine Sache, die ich an meinem Beruf liebe!

Eine schwierige Entscheidung muss ich in nächster Zeit treffen: ob ich mich im Sommer zur Wahl als badische Weinkönigin stelle. Auf der einen Seite habe ich in dem Jahr als Weinprinzessin für den Kraichgau Blut geleckt: Das Repräsentieren macht mir riesigen Spaß und ich habe viel gelernt. Daher wäre es reizvoll, das eine Ebene höher fortzuführen. Andererseits wäre das auch eine riesige zeitliche Belastung und ich muss das Amt ja mit meinem Beruf als Winzerin vereinbaren. Wenn ich mich also dagegen entscheiden sollte, dann tue ich das mit maximal einem weinenden Auge. Denn mein Lebens-traum, einmal Weinprinzessin zu sein, hat sich ja schon erfüllt.

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