Foto: Grenada Tourism Bord

Körpergefühl

Sinnliches Versprechen

Türkisblaues Wasser, endlose Traumstrände, luxuriöse Resorts und gut gelaunte Menschen – es gibt kaum ein Karibikklischee, das Grenada nicht erfüllt. Doch der wahre Schatz der in weiten Teilen noch immer ungezähmten Vulkaninsel verbirgt sich in den Tiefen ihrer tropischen Regenwälder.

Als unsere Boeing 767-300 nach rund zehn Stunden Flug endlich auf dem Flugfeld des Maurice Bishop International Airport zum Stehen kommt, liegt längst tiefe Dunkelheit über der Insel. Selbst das funkelnde Lichtermeer von Grenadas nahe gelegener Inselhauptstadt St. George´s hat gegen die undurchdringliche Schwärze kaum eine Chance. Doch vielleicht liegt es genau am Fehlen optischer Reize, dass wir beim Verlassen der Gangway unter dem vordergründigen Geruch nach nassem Asphalt, verbranntem Gummi und Kerosin noch ein anderes, weitaus subtileres und doch sattes, leicht süßliches Aroma wahrnehmen. Seltsam vertraut und zugleich fremd, erinnert der zarte Duft an die warme Basisnote eines längst verflogenen Parfüms an der Innenseite eines pulsierenden Handgelenks. Ein sinnliches Versprechen – die Magie Grenadas.

Foto: Grenada Tourism Bord

Foto: Grenada Tourism Bord

Nicht von ungefähr haben Tourismusstrategen dem Eiland das selbstbewusste Label „The Spice of the Carribean“ – die Würze der Karibik – verpasst. Tatsächlich wachsen an keinem anderen Flecken des Planeten mehr Gewürzpflanzen pro Quadratmeter als auf der kleinen Antillen-Insel. Und die verströmen ihre Aromen so selbst­verständlich, so verschwenderisch, als sei die Insel das Tor zu einem olfaktorischen Garten Eden. Kein Wunder, dass auch Grenadas Küche von der warmen Süße des Zimtes, der betäubenden Tiefe der Nelken, der fruchtigen Schärfe des Ingwers, der ätherischen Note karibischen Lorbeers, der belebenden Frische von Zitronengras oder des alle Würznoten in sich vereinigenden Piments geprägt wird und sich deutlich von den kulinarischen Traditionen benachbarter Inseln abhebt.

Mittlerweile sind aus dem einen Jahr fast fünf geworden, das Tipi ist Geschichte. Freukes baute sich vor gut einem Jahr eine Jurtenhütte. Der Raum ist hell, trocken, gut beheizbar und Freukes kann darin aufrecht stehen. Das Material stammt fast ausnahmslos aus der Natur oder dem abgebauten Tipi. Denn Freukes legt an jede seiner Entscheidungen ein Kriterium an: „So viel wie nötig – so wenig wie möglich.“

Zimt, Nelken, Ingwer und Lorbeer duften verschwenderisch

Neben dem Tourismus ist der Gewürzanbau auch eine von Grenadas wichtigsten Einnahmequellen, das zusammen mit seinen beiden Nachbarinseln Carriacou und Petit Martinique einen unabhängigen Dreiinselstaat bildet, der heute zum Commonwealth of Nations gehört, nachdem die ehemalige britische Kronkolonie 1974 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Heute leben auf den Inseln insgesamt rund 110.000 Menschen – etwa 90 Prozent davon auf Grenada. Deutlich mehr Insulaner sind mittlerweile jedoch in den USA, Kanada und Großbritannien zu Hause – teilweise bereits in zweiter oder dritter Generation.



Foto: Grenada Tourism Board/Dietmar Denger

Foto: Grenada Tourism Board/Orlando K. Romain

Neben dem fruchtbaren Vulkanboden ist es vor allem der kühle Nordost-Passat, der mit reichlich Niederschlägen im Gepäck ideale Vegetationsbedingungen für den Gewürzanbau auf der Insel schafft. Er ist für die Einheimischen wie die Touristen aber auch deshalb ein Segen, weil er das feucht-heiße Klima des Eilands zumindest ein bisschen erträglicher macht, das nur 16 Grad oberhalb des Äquators ganz im Süden des lang gezogenen Inselbogens liegt, der sich von den British Virgin Islands im Norden bis nach Trinidad and Tobago vor der Küste Venezuelas erstreckt.

Muskat – Königin der Gewürze

Ungekrönte Königin unter den Gewürzpflanzen der Insel aber ist Myristica fragrans – die Muskatnuss, die die Staatsflagge der Insel ziert und deren markantes Aroma aus der einheimischen Küche eben-falls nicht wegzudenken ist. Egal ob als köstliche Nutmeg-Eiscreme oder als wichtige Würzzutat in Grenadas Nationalgericht „Oil down“ – einem mächtigen Eintopf aus Pökelfleisch, Brotfrucht, diversen Gemüsen und reichlich Kokosmilch. Und nicht zu vergessen natürlich als I-Tüpfelchen eines Spiced Rum Punsh.

Text: Dr. Thomas Hauer

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