Künste

wortakrobatik

Pandemie, Partnerschaft, Klimawandel: Das Musikkabarett-Duo Mackefisch nimmt die Themen unserer Zeit aufs Korn: mal poetisch, mal ironisch, immer mit unglaublichem Wortwitz. Im Winter sind Lucie Mackert und Peter Fischer mit ihrem neuen Album „Harmoniedergang“ auf Tour.

Text: Ute Maag
Foto: Max Saufler

Zu den Errungenschaften der Pandemie gehört der Blick in Bereiche, die mal privat waren. Das Wohnzimmer des Chefs, die Küche der Kollegin: Der Videocall rückt jedes Detail in den Fokus. Lucie Mackert und Peter Fischer haben nicht nur ein Lied darüber geschrieben – „Wohnzimmer“ – sie geben auch selbst Einblicke in ihr Zuhause: in Musikvideos, die sie auf der eigenen Couch, im Bad oder in der Küche drehen. Das Unaufgeräumte gehört zum Konzept, wenn sie ihren Zuhörer*innen und -seher*innen Liedzeilen entgegenschleudern wie „Zeig‘ mir deinen ganzen Mist, und ich sag dir, wer du bist, oder wer zu gerne wärst – Zeit, dass du das klärst“ oder, ganz dramatisch, „Gibt es zu, du hast aufgeräumt!“

Höchst aufgeräumt ist die Stimmung der beiden beim Gespräch im Café Prag. Das neue Album „Harmoniedergang“ ist gerade erschienen und im Gegensatz zum Debüt „Brot und Glitzer“ vor zwei Jahren können sie es jetzt auch live performen. Das Release-Konzert im Schatzkistl war ein voller Erfolg, den Winter über werden sie in ganz Deutschland auftreten. „2020 hat uns die Pandemie komplett ausgebremst“, blickt Peter Fischer zurück. „Die Videos waren eine Möglichkeit, sichtbar zu bleiben.“ Und wo hätten sie sie leichter aufnehmen können als in den eigenen vier Wänden? Die gemeinsame Wohnung in der Mannheimer Neckarstadt ist ohnehin die Kreativzentrale des Wortakrobatik-Duos, dessen Songtexte Salto um Salto schlagen, während die Musik immer neue stilistische Kringel dreht. „Wir sind krasse Selbermacher“, versucht Lucie Mackert eine Selbstbeschreibung: Sie texten, komponieren und produzieren, auch Booking und Buchhaltung erledigen sie selbst. Für die Videos haben sie mittlerweile eigenen Greenscreen angeschafft. Und sogar einige Instrumente sind Marke Eigenbau. Wie die alten Samsonite-Koffer aus Holz und Kunststoff aus den 1950er-Jahren, die die Multiinstrumentalistin für die Percussion verwendet. „Wir haben den Keller voller alter Koffer, die es nicht auf die Bühne geschafft haben“, verrät Fischer. Seine Partnerin ignoriert den Seitenhieb: „Dieser eine klingt eben am allerbesten.“ …

Foto: Anja Pankotsch

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