Entdeckungen

stein, schere, papier

Nachhaltigkeit ist der Mannheimer Szenografin und Installationskünstlerin Carolin Wanitzek wichtig. Für drei Unternehmen der Region hat sie das Thema filigran, fast schwerelos visualisiert.

Interview: Ute Maag
Fotos: Carolin Wanitzek

Du hast in den vergangenen zwölf Monaten gleich drei Projekte zum Thema Nachhaltigkeit realisiert. Zufall?

Vielleicht. Aber ein schöner. Nachhaltigkeit ist für mich ein wichtiges Thema. Ich bin Vegetarierin erledige, das meiste mit dem Rad und beschäftige mich intensiv mit dem Thema Zusatz- und Füllstoffe in Lebensmitteln und Kosmetik. Ich versuche, so gut es geht meinen Beitrag zu leisten, doch muss auch ich immer wieder feststellen, dass es noch viel mehr gibt, was ich besser machen könnte. Bei meinen Projekten fand ich es cool, mit Materialien zu arbeiten, die schon da waren und für die niemand mehr Verwendung hatte.

Foto: Carolin Wanitzek
Foto: Carolin Wanitzek

Für den Geschäftsbericht der GBG hast du Fundstücke von Baustellen verwendet. Hast du die selbst eingesammelt?

Die Aufgabe war, die einzelnen Kapitel des Geschäftsberichts mit passenden Visualisierungen einzuleiten. GBG-Mitarbeiter haben Steine, Hanf, Kunststoffteile und vieles andere vom Square-Projekt auf Franklin in Kisten gepackt. Daraus habe ich mich bedient. Auf Franklin geht es ja um nachhaltiges, zukunftsweisendes Bauen, daher habe ich eine kleine Installation geschaffen, die die Teilbereiche dieser Thematik vereint. Das Thema Eisspeicher habe ich mit einem Eiswürfel inszeniert. Das war gar nicht so einfach: Das Ding schmilzt schnell und macht natürlich den Fotohintergrund nass und unbrauchbar. Die Pflanze, die das Kapitel CSR einleitet, habe ich vor dem C-Hub am Verbindungskanal entdeckt.

Dort hast du das Kreativstudio Oui R zusammen mit Dennis Adelmann. Die Visualisierungen für das Startup Moanah (siehe Seite 48, d.Red.) habt ihr gemeinsam entwickelt. Wie?

Wir wollten ein völlig neues Bildkonzept für die Moanah-Reiniger entwerfen. Wir finden die Idee toll, dieselbe Flasche immer wieder nachzufüllen. Die Reiniger zu mischen, ist kinderleicht. Wir haben die Flaschen da platziert, wo sie benutzt werden: Fenster, Bad und Küche. Blau, Gelb und Mintgrün sind die Farben der Produkte. Die Sets sind aus Papier.

Foto: Carolin Wanitzek
Foto: Carolin Wanitzek

Um Papier ging es auch beim dritten Projekt für den Verpackungshersteller Elopak …

Für dieses Unternehmen habe ich zwölf Motive für einen Kunstkalender zum Thema „Packaging by Nature“ entwickelt. Nicht nur die Verpackungen stehen im Fokus, sondern auch deren Inhalte – Milchalternativen zum Beispiel. Für dieses Motiv habe ich Stoffe verwendet, die Alternativen zu Kuhmilch liefern.

Vor der Pandemie warst du viel im Ausland unterwegs. Arbeitest du derzeit ausschließlich im C-Hub?

Meistens, da habe ich alle meine Utensilien zur Verfügung und genügend Platz, wenn ich an Installationen arbeite. Während des ersten Lockdowns, als ich am GBG-Projekt gearbeitet habe, hatte ich manchmal das Gefühl, die einzige im ganzen Gebäude zu sein, weil alle im Homeoffice waren.

Foto: Carolin Wanitzek
Foto: Carolin Wanitzek

Wie sehr hat die Pandemie dein Leben verändert?

Schon sehr! Ich war gerade dabei, in den USA so richtig durchzustarten, mit einer Ausstellung in San Diego und mit Projekten wie dem für den Kosmetikhersteller La Mer. Seit einem Jahr liegen alle meine Pläne dort auf Eis. Neue internationale Projekte sind im Moment nur schwer planbar. Umso schöner war es, dass ich plötzlich gleich drei so spannende Aufträge aus der Region hatte.

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