Foto: Wolke7 Dampfnudel Manufaktur

Genuss

wie auf wolken

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann gönnt sich Jens Vogel eine Auszeit. Er reist als Backpacker acht Monate lang durch Neuseeland. Als er zurückkommt, hängt er den Traum von der Wall Street an den Nagel – und wird Dampfnudel-Bäcker.

Text: Thomas Tritsch

Es ist eine Story, wie sie nur das Leben schreiben kann. Mit dem Duft der Kindheit in der Nase und einer hartnäckigen Geschäftsidee im Blick tanzt ein junger Mann aus dem pfälzischen Schwegenheim durch die Wendepunkte seiner Biografie und trifft eine außergewöhnliche Entscheidung. Weil die Erinnerung an das köstliche Backwerk seiner Grußmutter stärker ist als die soliden Perspektiven in der Finanzbranche, begründet er seine berufliche Existenz auf Mehl, Milch, Zucker, Hefe und Salz. Seither rollen die Verkaufswägen seiner Dampfnudel-Manufaktur „Wolke 7“ durch die Region und entfachen eine Welle der kulinarischen Nostalgie. Der Name ist Programm.

Die Formel: authentisch, heimatlich, hausgemacht. Nach einem alten Rezept aus dem Familienrepertoire, das in seiner Dosierung und Zusammensetzung natürlich nicht verraten wird. Und alle machen mit: Mutter Claudia, Schwester Sabrina und Vater Stefan Vogel, der bereits vor etwa acht Jahren – mehr aus einer saloppen Laune heraus – die Idee mit der eigenen Dampfnudelproduktion über den Esstisch geschlenzt hatte. Seither geriet der Gedanke immer wieder aus den Augen, aber niemals wirklich aus dem Sinn.

„Er hat immer von einem Food-Truck gesprochen, mit dem er auf den Märkten Dampfnudeln verkaufen wollte“, so der 29-jährige Firmengründer über den Vater. Ein kreativer Kaufmann mit offenem Visier, der sich dennoch nie dazu durchringen konnte, den sicheren Job gegen eine mobile Backstube einzutauschen, der womöglich nach den ersten Metern der Dampf ausgeht. Als es dann aber tatsächlich dazu kam, sprang er begeistert auf den Wagen auf. Als Marktschreier, Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer und vieles mehr. „Unser Zusammenhalt ist eine unserer Stärken“, so der Junior.

Auch seinem Kumpel Philipp Rieger aus Speyer erzählt er von seinen Plänen. Noch bevor es richtig losgeht, sagt der ausgebildete Lagerlogistiker seine Kollaboration zu. Auch er war zuvor ein Jahr in Neuseeland. Anscheinend ist der Südpazifik ein guter Platz für biografische Weichenstellungen.

Daheim in der Pfalz werden Nägel mit Köpfen gemacht. Oder besser: fluffige Dampfnudeln mit knusprig-salziger Bodenkruste. Doch bis dahin gibt es noch einige Hürden zu nehmen. Und es ist eine wichtige Entscheidung zu treffen. Denn das Vorstellungsgespräch für ein duales Studium in Heilbronn verläuft überaus erfolgreich. „Ich hätte sofort anfangen können“, so Jens Vogel. Doch während er da im Büro saß und alles hörte über Vertriebs- und Kundenmanagement, über die Digitalisierung der Bankenbranche und die Karrierechancen der nächsten Jahrzehnte, da spürt er auf einmal: Das wäre der falsche Weg. Er will raus aus der Komfortzone und hinein in die Selbstständigkeit.

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