Frau in Gold

Story

Die Frau in Gold

Sophie Belz hat den Beruf der Vergolderin eher spontan und zufällig ergriffen. Längst ist daraus eine Leidenschaft fürs Leben geworden. Und eine magische Verbindung von altem Handwerk und glänzender Kunst.

Es ist selten, robust und vor allem schön anzusehen – Gold erfreut Menschen schon seit Jahrtausenden. Das Edelmetall wird aufgrund seiner glänzenden Eigenschaft und seiner scheinbaren Unvergänglichkeit gerne für die Herstellung von Schmuck verwendet. Auch in der Industrie und Medizin kommt das chemische Element zum Einsatz. Doch was die Goldsophie daran so fasziniert, ist vor allem seine Hochwertigkeit: „Es ist ein robustes Material, das nicht korrodiert. Und es macht aus unscheinbaren Dingen etwas Besonderes.“

Die 29-jährige „Goldsophie“ heißt mit bürgerlichem Namen Sophie Belz, stammt aus Mannheim und hat sich dem Gold, genauer gesagt dem Blattgold, verschrieben. Bei einem Espresso erzählt die junge Frau – die naturgegeben über eine blonde, fast „güldene“ Lockenpracht verfügt – wie sie zu ihrem Beruf als Vergolderin kam: „Mehr durch Zufall als durch gezielte Suche. Ich wollte in die handwerkliche, künstlerische Richtung gehen und absolvierte ein Praktikum bei einer Vergolderei und Kunsthandlung“, erinnert sie sich.



Geweihe und Wandbilder veredelt sie mit Gold und Silber zu moderner Kunst

Damals sei ihr nicht klar gewesen, dass es zum Restaurieren auch Vergolder braucht. Als man ihr nach ihrem Praktikum in der Galerie Theuer und Scherr am Wasserturm eine entsprechende Ausbildung anbot, griff sie einfach zu. Eine Entscheidung, die sie vielleicht aus dem Bauch heraus traf, die sich jedoch als absolut richtig erwies. Denn nur drei Jahre später erzielte Sophie Belz 2016 als Vergolder-Auszubildende das bundesweit beste Abschlussergebnis – und somit den ersten Bundessieg. „Die genaue Bezeichnung lautet übrigens Vergolder- und Fassmaler, denn man ist auch viel in Kirchen und historischen Gebäuden beschäftigt“, erzählt sie.


Auch wenn ihr die Arbeit im Ausbildungsbetrieb nach wie vor Freude bereitet, kam die Mannheimerin zu dem Entschluss, einen weiteren Weg einzuschlagen: die Selbstständigkeit. Unter dem Namen „Die Goldsophie“ ist sie seit Dezember 2017 zusätzlich als freischaffende Künstlerin tätig. „Ich wollte mich verwirklichen, neue Dinge ausprobieren – über den üblichen Rahmen hinausschauen“, begründet sie. Vor allem arbeite sie gerne mit Naturmaterialien. „Sie erhalten durch Blattgold einen ganz eigenen Charakter. Zudem veredele ich unter anderem Geweihe und Wandbilder mit wahlweise Gold, Weißgold oder Silber. Somit entstehen Unikate“, erzählt die Künstlerin. In ihrem kleinen Atelier in Mannheim-Seckenheim kann sie sich verwirklichen, spontane Ideen und gesammelte Inspirationen von Reisen in eindrucksvolle Kunst umwandeln. „Natürlich nehme ich auch Auftragsarbeiten an. Aber meiner Phantasie freien Lauf zu lassen, das macht am meisten Freude.“

Ihr Traum: ein Kunst-Café für Austausch und Inspiration

Bei ersten Ausstellungen – wie unter anderem im Mannheimer C-HUB oder in der Kurfürsten-Parfümerie – konnte sie ihre Werke bereits präsentieren. Die meisten Menschen seien positiv angetan. „Es sind nicht alltägliche Gebilde, wie etwa Treibhölzer oder Holzfragmente, mit hochwertigem Gold versehen. Sie ziehen die Blicke meist ganz automatisch auf sich“, so Sophie Belz‘ Erfahrung. Die Herstellung von Blattgold sei im Übrigen nicht maschinell ersetzbar. Ihr gefalle, dass hier noch echtes Handwerk zum Einsatz komme. „Ich bezeichne mich gerne selbst als Kunsthandwerkerin – jemand, der mit den Methoden eines uralten, sehr aufwendigen Handwerks moderne Kunst erschafft“, so die Goldsophie. Einen großen Traum habe sie jedoch noch: „Ein Kunst-Café wäre toll. Ein Ort, an dem Menschen sich treffen, austauschen und inspirieren lassen – eine Zeit lang verweilen können, um sich mit der Kunst auseinanderzusetzen.“ www.die-goldsophie.com

Text: Katharina Schwindt, Fotos: Joe Tremmel


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