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Pferdestärken

Im Galopp zum Erfolg

Am 28. April feiert der Badische Rennverein sein 150-jähriges Bestehen. Dem Festakt mit vielen Ehrengästen folgt am Tag darauf der Jubiläums-Renntag auf der Seckenheimer Waldrennbahn mit dem traditionsreichen Hindernis- wettbewerb Badenia – einst wie heute ein Turf-Glanzlicht. Waltraud Kirsch-Mayer ist tief in die Geschichte des Vereins eingetaucht.

Text: Waltraud Kirsch-Mayer

Glorioser Galoppsport mit gesellschaftlichem Glanz: Schon wenige Monate nach der Vereinsgründung anno 1868 lockt die Premiere eines Doppelrenntages mehr als 10.000 Schaulustige – Blaublütige wie Bürger – auf die Neuwiesen nahe dem Neckardamm (heute Luisenpark-Areal). Zu dem zweitägigen Turf-Spektakel unter blauem Mai-Himmel reisen illustre Gäste gar zu Wasser an. Ein Reporter des Fachblattes „Der Sporn“ schildert geradezu feuilletonistisch: „Den Neckar herauf dampfte die dicht besetzte Lustjacht ‚Industrie‘ des Herrn Wahl, die als alleinige stolze Vertreterin des Wassersports auf dem Rheine schon so manche Wettfahrt mit ihrem schlanken Kiel siegreich gegen die grossen Rheinboote bestanden hat...“ Und längs der Zuschauertribüne soll damals Equipage an Equipage gestanden haben. Die Rennsport-Zeitung berichtet ausführlich, welche Prinzen (unter anderen der von Sachsen-Weimar), Politiker (auch Mannheims Oberbürgermeister Ludwig Achenbach) oder Präsidenten (beispielsweise der Pfalz-Regierung wie des Handelsministeriums) sich die Ehre mit auffällig „behüteten“ Damen gegeben haben. Von „animirter“ Stimmung ist die Rede.

Die furiose Vereinsentwicklung ist eng verknüpft mit jener Steeplechase (wie damals Hindernisrennen nach englischem Vorbild genannt werden), die als Bürgerpreis mit Ehrenbeigabe Seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog, beginnt und ab 1870 „Badenia“ heißt. Im Rückblick reibt man sich erstaunt die Augen: Der Jagdkurs hat mit seinen 27 Hindernissen einmal satte 7.000 Meter betragen und würde heutzutage durch den oberen wie unteren Luisenpark, außerdem durch die Moll-, Otto-Beck- und Kolpingstraße führen. Allerdings schrumpft die Linienführung hinter den Tribünen vor allem wegen des Riedbahndammes ab 1892 wieder und hat sich bei der Jahrhundertwende auf 5.000 Meter verkürzt. Dies schmälert aber keineswegs die Attraktivität der „Badenia“ – was auch mit der gigantischen Dotierung zu tun hat.

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Gigantische Dotierung und Schlangen am Totalisator

Im Jubeljahr der Stadt – Mannheim feiert anno 1907 seinen 300. Geburtstag – beträgt das Gesamtpreisgeld 45.600 Mark. 1914 erwarten den Badenia-Sieger sogar unglaubliche 50.000 (damals noch mit Gold gedeckte) Mark, weitere 24.000 werden unter den fünf Nächstplatzierten verteilt. Diese Preissumme gilt nicht nur auf deutschen, sondern auf europäischen Rennbahnen als spektakulär und singulär. Kein Wunder, dass aus fünf Ländern 14 sogenannte Herrenreiter an den Start gehen: Wer in den Sattel steigt, ist entweder von adliger Herkunft und / oder im Offiziersrang. Berufs-Jockeys sind damals noch unbekannt. Die überregionale Sportwelt rühmt, dass man von Berlin, dem Austragungsort des renommierten Karlshorst-Jagdrennens, „mit einem Gefühl des Neides auf den süddeutschen Platz blickt“. Von der Anziehungskraft des Mannheimer Galoppsports künden auch Wettumsätze am Totalisator. Und die liegen erheblich höher als auf Bahnen vergleichbarer Städte. Nicht mehr gegen Buchmacher, wie in England üblich, sondern am Totalisator wetten – diese Idee setzt Mitte der 1860er Jahre in Paris zum Erfolgsgalopp an. Zwei Jahrzehnte später werden in Mannheim vier Siegkassen eingerichtet. Diese „öffentlichen Addiermaschinen“ gelten als Sensation.


Sogenannte Turfpropheten machen plötzlich von sich reden. Allerdings sind ihre Wett-Vorhersagen zum Rennausgang häufig so unzuverlässig wie damalige Wetter-Vorhersagen. Und so notiert „Der Sporn“ 1894, im Jahr der Platzwetten-Einführung, dass weder auf „Lindwurm“ im Eröffnungsflachrennen, noch auf „Daphne“ im großen Hürdenrennen ein einziger Tipp abgegeben wurde – obwohl beide als Platzierte ins Ziel kamen. Als 1905 das Gesetz aufgehoben wird, wonach nur Mitglieder von Rennvereinen Geld auf edle Pferde setzen dürfen, schnellen die Umsätze am Totalisator rasant nach oben. Überliefert ist, dass 1911 allein auf Starter in der „Badenia“-Steeplechase insgesamt
100.000 Gold-Mark gewettet werden. Als drei Jahre später Leutnant von Herder auf „Tropic“ in dem Jagd-Hinderniskurs triumphiert, ahnt niemand, dass wenige Wochen später der Erste Weltkrieg ausbrechen und danach nichts mehr so sein würde, wie es einmal war – auch für den Badischen Rennverein.

In den späteren Jahren der großen Inflation – der Verfall der Mark galoppiert damals schneller als ein Vollblüter – explodiert auf der Mannheimer Turfbahn noch einmal das Geschäft am Totalisator. Rennbahnbesucher drängeln sich in der Hochphase der Geldwert-Schwindsucht an 82 Kassen! Das Deutsche Reiterbuch wird Jahre später zurückblicken: „Der Weltkrieg hat eine weitere Entwicklung der Mannheimer Rennen, die unaufhaltsam einem kaum vorstellbaren Höhepunkt zuzustreben schienen, gewaltsam unterbrochen.“ Die goldene Ära ist vorbei – auch wenn die Mannheimer Rennbahn 1929 für den besten deutschen Hinderniskurs ausgezeichnet wird.

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Der Zweite Weltkrieg bringt das Ende der ruhmreichen Rennwiesen

Gleichwohl kämpft der Verein um seinen Galoppsport auf hohem Niveau. Der Zweite Weltkrieg macht solche Bemühungen erneut zunichte. Als am 3. und 10. Mai 1942 Rennen ausgetragen werden, ahnt niemand, dass dies die letzten an diesem legendären Ort sein werden. Die Bombentrichter werden zwar schon bald nach dem Kriegsende zugeschüttet, aber der Traum vom Wiederauferstehen der ruhmreichen Rennwiesen scheitert – vor allem deshalb, weil das riesige Areal dem Verein nicht gehört, sondern nur gepachtet ist. Die Stadt hat mit dem Gelände andere Pläne: Bekanntlich wird die Bundesgartenschau-Idee erfolgreich Wurzeln schlagen und 1975 dort aufblühen, wo einst Vollblüter an der großen Tribüne und vor tausenden Zuschauern vorbeigaloppierten.

Ein neues Domizil muss sich auch der Mannheimer Golfclub suchen - und findet es in Viernheim. Der Club ist seit 1930 sozusagen Untermieter des Rennvereins. Die Zweckgemeinschaft Golf und Pferdesport mutet zwar ungewöhnlich an, ist es aber nicht: Das Modell wird auch in Berlin, Magdeburg und Köln betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist vorübergehend auch für die Freunde des Schlagsports mit der weißen Kugel Schluss. Das US-Militär beschlagnahmt für seine Offiziere den Golfplatz im Rund der ehemaligen Rennstrecken.

Den Namen hatte sie schnell gefunden: Teller stehe eindeutig für Essen und Gold für das Wertige, für die erlesenen Zutaten, die sie verwendet. „Außerdem wurde Salz früher wie Gold gehandelt“, ergänzt sie. Sie hat die Marke schützen lassen, die genauen Rezepturen hält sie geheim. Was drin ist, schmeckt man, so intensiv sind die Aromen, ob beim Kräutersalz, bei der Mischung mit Vanille und Chili oder auch bei ihrem Schokosalz, das es eigentlich gar nicht geben sollte. „Es war ein Versuch zur Weihnachtszeit, der mich selbst nicht wirklich überzeugt hat“, erinnert sie sich an den Prototyp, den sie Freunden zum Ausprobieren mitgab. Kurze Zeit später kam ein Anruf - sie müsse diese Mischung unbedingt weiter produzieren, denn: „Die hatten Entenbrust damit gewürzt und waren total geflasht.“

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Nach der Fusion kehrt die Badenia nach Mannheim zurück

Besser läuft es nach 1945 für den wieder gegründeten Pferdezucht- und Rennverein Mannheim-Seckenheim. Dieser schafft es bereits 1950, auf der mit viel Eigeninitiative hergerichteten Waldbahn einen ersten Galoppsporttag auszurichten. Mit über 10.000 Zuschauern! Die beiden Vereine beschließen Anfang der 1960er Jahre gemeinsame Sache zu machen und zu fusionieren. 1969 ist es soweit. Der pferdebegeisterte Seckenheimer Erfolgsunternehmer Carl Lochbühler wird erster Präsident und bleibt dies mit großem Einsatz bis 1978.

„Wenn die Startglocke den Preis der Wiedereröffnung einläutet, beginnt im Mannheimer Turfsport eine neue Ära“, heißt es 1973 im Vorwort jenes Programmheftes, das die Wettbewerbe auf der erweiterten Rennbahn auflistet. Nach dem Umbau ist es möglich, wieder die legendäre Steeplechase auszutragen: Die „Badenia“ – von 1957 bis 1972 in Haßloch zu Gast – kehrt endlich nach Mannheim zurück. Nach 34 Jahren. Die beiden Vereine – nun Badischer Rennverein Mannheim-Seckenheim – künden an, „die große Tradition im Vollblutsport neu erstehen zu lassen“. Das Versprechen wird mit viel Begeisterung und Einsatzwillen der Vorstandteams und Mitglieder eingelöst.


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Warmlaufen fürs Jubiläum

Der Verein hat allen Grund, sein 150-jähriges Bestehen groß zu feiern und dabei optimistisch in die Zukunft zu schauen. Präsident Holger Schmid und seine Mitstreiter haben sich für das Jubiläum mächtig ins Zeug gelegt: Fünf Renntage werden auf der idyllischen Bahn veranstaltet. Die Besucher empfängt ein neu erbautes Entree. Der aus den 1970ern stammende Eingangsbereich ist verschwunden.

Das Jubiläumsjahr soll sich gewissermaßen warmlaufen – am 25. März 2018 mit dem VR Bank Rhein-Neckar-Renntag. Die eigentliche Jubiläumsfeier mit zahlreichen Ehrengästen, darunter Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl und Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, ist mit dem Badenia-Renntag am 29. April verknüpft. Als „After Work“-Ereignis mit anschließender Party präsentiert sich der B.A.U-Renntag am Freitag, 8. Juni. Am Sonntag, 23. September, ist der BMW-Renntag geplant. Und zum Abschluss hoffen alle auf einen goldenen Oktober: Am 27. dieses Herbstmonats wird ein Oktoberfest in Kombination mit dem „Mannheim im Quadrat“-Renntag eingeläutet. Es gibt also für die treuen Stammbesucher der Rennbahn – häufig Familien – und neue Gäste reichlich Gelegenheit, ein Jubiläum zu feiern, das zur Stadtgeschichte gehört.

Vergangenheit und Zukunft – sie verbinden sich im „Jubi-Jahr“ 2018. Der Blick zurück macht Holger Schmid als Vereinspräsidenten „ziemlich stolz“, denn nur vier Rennbahnen sind in Deutschland älter als Mannheim. Und von den später entstandenen Vereinen haben es keineswegs alle geschafft, allen Widrigkeiten zum Trotz auf der Erfolgsspur zu bleiben.

Foto: Markus Proßwitz

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